Resilienz – Brandschutz für die Seele

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„Prägnante, knackige Präsentation eines anspruchsvollen zentralen Themas. Motivierend und leicht verständlich transportiert. Ich kann Frau Dr. Schiebeck als kompetente und eloquente Referentin nur empfehlen. Das Thema hatte trotz der großen Hitze mehr Teilnehmer als erwartet angezogen.“
Dr. Rudolf Müller – Erfolgsforum Rosenheim
Mehr auch unter http://erfolgsforum.wordpress.com

Work-Life Balance oder Autsch-Mein Hirn!

IMG_2144_BVorbei sind die Zeiten, als die Arbeit noch Arbeit und Freizeit noch Freizeit war. Die Mittagspause noch eine Zeit zum Abschalten war und noch nicht für „Lunch und Learn“ genutzt wurde. Zweimal am Tag die Hauspost kam und das Piepen der Stechuhr den Feierabend einläutete. Eine völlig neue Arbeitswelt ist da in den letzten Jahren entstanden. Die Grenzen zwischen Arbeit und dem Rest des Lebens sind nahezu verschwunden. Damit verschwinden auch die zwischen Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung. Immer mehr Mitarbeiter sind nur noch für einige Stunden am Tag im Büro, arbeiten  zunehmend von unterwegs, zu Hause aus und auch nachts. Zeit für Freunde und Freizeit – immer öfter Fehlanzeige! „Im Jahr 2011 leisteten rund 40 Millionen deutsche Erwerbstätige mehr als eine Milliarde unbezahlte Überstunden“ (Die Zeit v. 22.10.12, S. 22).

Doch der engagierte Arbeitsansatz rund um die Uhr, die permanente Informationsaufnahme durch neue und digitale Medien führen zur Reizüberflutung in unserem Gehirn.  Ausgerechnet beim wichtigsten Organ wirkt sich die Belastung so schleichend aus, dass Betroffene zuerst gar nichts davon merken. Die Dauerbelastung, hervorgerufen durch die  erhöhte Ausschüttung von Cortisol und dem mit der Zeit gestörten Zusammenspiel mit dem Hypothalamus führt dazu, dass Nervenzellen im Gehirn beschädigt werden oder gänzlich absterben – und somit das Gedächtnis empfindlich verletzen. In gewissen Hirnbereichen schrumpft die Struktur, Verästelungen werden weniger und die Funktion für die Gedächtnisleistung wichtiger Bereiche wird beeinträchtigt. Darüber hinaus sind Auswirkungen auf den Hippocampus über die Forschung und bildgebende Verfahren bereits nachweisbar (vgl. Thomas Elbert, Uni Konstanz). So fließen im Hippocampus Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, die verarbeitet und von dort zum Cortex zurückgesandt werden. Damit ist der Hippocampus  enorm wichtig für die Gedächtniskonsolidierung, also die Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis. Der Hippocampus ist als zentrale Struktur zu sehen, die Erinnerungen generiert, während die Gedächtnisinhalte an verschiedenen anderen Stellen in der Großhirnrinde gespeichert werden. Er besitzt auch für die Koordinierung der verschiedenen Gedächtnisinhalte eine enorme Bedeutung. So kommt es bei Dauerbelastung zunächst zu Gedächtnisschwächen und Konzentrationsschwierigkeiten. Zunehmend wird die Gedächtnisleistung empfindlich gestört. Informationen können zwar gelesen, aber nicht mehr erinnert werden. Ein Teil des Hirns, der für Gedächtnisleistung zuständig ist, nimmt ab. Besser vernetzt werden hingegen jene Bereiche, die Furcht und Angst erzeugen, etwa die Kerne der Amygdala, und den Körper so in Alarmstimmung halten. Ein ernstzunehmender Risikofaktor für das eigene Leben und die Lebensqualität wird damit erschaffen.

Um dieser physiologischen Veränderung, Erschöpfung, Angstzuständen, Depressionen und dauerhaften Stressreaktionen entgegenzuwirken ist es essentiell, dass jeder Arbeitstätige für sich  ein gezieltes Ressourcenmanagement betreibt. Bauen Sie deshalb die folgenden 10 Gebote in Ihren Alltag ein, um dem schleichenden Veränderungsprozess im Kopf entgegen zu wirken.

  1. Machen Sie regelmäßig Pausen – unser Körper benötigt nach 90-120 Min Arbeit eine Pause. Ohne Pause sinkt die Leistung und Effizienz spürbar. Das kann ein kurzer Spaziergang oder nur 10 Min. Auszeit an der frischen Luft sein
  2. Entscheiden Sie, wann Sie erreichbar sind! – Den Druck rund um die Uhr per Smartphone erreichbar und jeden Tag alle Emails gelesen und beantwortet zu haben, machen wir uns selbst; gestützt durch eine „vermeintlich so tickende“ Unternehmenskultur. Kommunizieren Sie Ihre Erreichbarkeit und planen Sie auch ihre Freizeit wie einen Geschäftstermin fest ein, sozusagen als Verabredung mit sich selbst.
  3. Delegieren Sie Aufgaben, holen Sie sich Unterstützung – beziehen Sie Menschen und Mitarbeiter denen Sie vertrauen, deren Wissen und Kompetenz Sie schätzen, mit ein. Damit gewinnen Sie Zeit und entlasten sich.
  4. Lernen Sie, Nein zu sagen – Entwickeln Sie Ihre Fähigkeit Ihre Ressourcen richtig einzuschätzen und analysieren Sie regelmäßig Ihre Belastungen.
  5. Identifizieren Sie Ihre inneren Antreiber – finden Sie heraus welches der „5 Programme“ hauptsächlich bei Ihnen läuft. Mit Hilfe von Online-Verfahren oder auch dem Feedback von Ihnen nahestehenden Personen können Sie herausfinden, ob Sie primär auf dem „Sei perfekt- Sei schnell – Streng dich an – Mach’s allen recht oder dem Sei stark-Modus“ laufen. Stellen Sie dem dahinterliegenden Glaubenssatz einen für Sie passenden „Erlaubersatz“ gegenüber.
  6. Bleiben Sie in Bewegung – treiben Sie 2-3 mal pro Woche eine halbe Stunde moderaten Sport (kein zusätzliches Auspowern). Damit bauen Sie Stresshormone ab und lockern angespannte Muskelgruppen.
  7. Entspannen Sie sich – So sollten Kopfarbeiter durch Körperarbeit und Körperarbeiter durch Kopfarbeit für Abwechslung und Ausgleich sorgen. Tun Sie etwas, was Ihnen Spaß und Freude bereitet. Tai Chi, MBSR und Autogenes Training sind z.B. sehr geeignet, aber auch das „Werkeln“ im Garten oder auf dem Balkon ist Erholung für den Kopf und damit den Körper.
  8. Essen für Leib und Seele – Wählen Sie Nahrungsmittel, die Ihnen Kraft spenden. Eine gesunde Ernährung ist ein wichtiger Schlüssel für Ihre Leistungsfähigkeit. Achten Sie darauf regelmäßig etwas zu essen, frisches Obst und Gemüse in Ihren Speiseplan einzubauen und viel Wasser oder Tee zu trinken.
  9. Hören Sie auf Ihre innere Uhr – Respektieren Sie Ihren eigenen Biorhythmus. Welcher Typ sind Sie? Eher Lerche oder Eule? Versuchen Sie, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, Ihren persönlichen Rhythmus zu berücksichtigen und planen Sie Ihren Tag dementsprechend.
  10. Nehmen Sie sich jeden Tag etwas Schönes vor! – Überlegen Sie sich am Morgen, worauf Sie sich heute freuen, mit welcher Kleinigkeit Sie sich selbst verwöhnen möchten. Lassen Sie den Tag abends Revue passieren und finden Sie die positiven Erlebnisse, Begegnungen heraus. Pflegen Sie dabei auch Ihre Sozialkontakte.

… und falls die Überlastung zum Normalzustand geworden ist, ziehen Sie die Reisleine! Nehmen Sie Warnsignale wie häufige Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Schmerzen ernst.

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Digitale Sommerdiät – Erholung von der täglichen Online- Dosis

Digitale Demenz zeigt sich bereits bei jungen Erwachsenen. Ärzte in Südkorea haben vermehrte Gedächtnisstörungen, verbunden mit emotionaler Abstumpfung – hervorgerufen durch exzessive digitale Mediennutzung diagnostiziert.

Der digitale Dauerbeschuss, dem bereits auch schon Kinder ausgesetzt sind, führt damit zu ersten nachweisbaren medizinisch-psychologischen Verhaltens- und Erlebensänderungen. So erhalten bereits Teenager im Durchschnitt pro Monat 3.417 Textnachrichten. Der Spiegel spricht in seiner Juli-Ausgabe (27/12) von einer „Versklavung“ durch Handy‘s und Smartphones und einer permanenten kognitiven Überforderung des menschlichen Gehirns. Für Wissenschaftler auf dem Gebiet ist das Smartphone das „Sklavenhalsband des 21. Jahrhunderts“. Es stellt sich daher die Frage: „Müssen wir wirklich 24/7 erreichbar sein? Ist es erforderlich noch kurz vor dem Schlafengehen E-Mails zu checken?“

Immer mehr Menschen treibt das Tempo und die permanente Gleichzeitigkeit der Ereignisse zur totalen Erschöpfung. Durch das Nicht-setzen von Grenzen tragen insbesondere nach Perfektion strebende Arbeitende dazu bei in die „Falle“ der Überforderung zu tappen. Kommunikation ist wichtig, doch wie wir Sie nutzen, sollten wir noch selbst entscheiden.

Nutzen Sie die Urlaubszeit für eine digitale Sommerdiät, beginnen Sie wieder bewusst die Natur und die Menschen um Sie herum wahrzunehmen und wertzuschätzen. Was wirklich wichtig ist, wird Ihnen sicher anderweitig zugetragen. Beugen Sie so Ihrer eigenen möglichen digitalen Demenz vor. Genießen Sie Ihre wiedergewonnene Freiheit!

Von der Finanzkrise zur Bewusstseinskrise – das Rennen im Hamsterrad

Teil 3 – Letzter Teil
Zu wenige Menschen besitzen den Mut der „Klapperschlange“ oder dem „Säbelzahn-Tiger“, der hinter einer neuen Weggabelung, hinter einem neuen Lebenskapitel sitzen könnte, ins Gesicht zu schauen. Sich also genauer mit dem auseinanderzusetzen, was eine berufliche Veränderung im Positiven wie im Negativen mit sich bringen könnte. Diese Wege zunächst gedanklich, visuell und emotional zu beschreiten, um dann festzustellen, wie sich der „Säbelzahn-Tiger“ möglicherweise in einen Adler verwandelt. Oft fehlt es an Kompetenzen zur eigenen Lebensgestaltung. Den Anforderungen und Herausforderungen der aktuellen  gesellschaftlichen Entwicklungen sind viele Menschen nicht gewachsen.

Stattdessen verbleiben sie lieber im sich von Jahr zu Jahr immer schneller drehenden Hamsterrad, aus dem immer mehr Menschen herauskatapultiert werden, die das Tempo nicht mehr mithalten können. Somit wird die Gruppe derer, die „rennen“ immer kleiner und die Gruppe derer, die schon „draußen“ sind immer größer. Hier sind auch die Arbeitgeber und Vorgesetzten gefragt in den Einzeldialog mit jedem Mitarbeiter zu treten; ihn in Veränderungsprozesse auch hinsichtlich Abläufe, Gestaltung und vor allem der Aufgabe an sich einzubeziehen. Mit belasteten und unzufriedenen Mitarbeitern zu klären und herauszufinden, ob eine andere Tätigkeit im Unternehmen entsprechend ihres Talents vielleicht viel besser zur Person passt. Damit diese mit Freude und der Fülle ihres Potentials tätig sein kann. Die richtige Person am richtigen Platz und somit entlastet ist. Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Arbeitskräfte nicht mehr in beliebiger Anzahl zur Verfügung stehen, von großer Bedeutung.

All diese Aspekte sind durch die Finanzkrise beschleunigt worden, die inzwischen zu einer Bewusstseinskrise herangewachsen ist. Orientierung und Halt im Außen lösen sich mehr und mehr auf. Daher können wir den Halt nur in uns selbst, im Ausbau unserer inneren Stärke und Widerstandskraft für den sicheren Umgang mit Veränderungen finden. Wir sind gefordert unser Leben mehr denn je eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und uns für ein anderes bewusstes Miteinander mit anderen einzusetzen, um die Bewusstseinskrise in ein neues Sein zu wandeln.